Bewerbungsaspekte

  

Was soll ich anziehen ("Kleider machen Leute"!):
was Saloppes/Sportliches,

was Lässiges/Ökomäßiges
(mit der Message: Kleidung ist für mich eh nur Be-kleidung),

was Distanziertes/Solides
(vielleicht mit einer Krawatte und einer Jeans von BOSS)

oder was im Understatement - Stil
(also was fein - Elegantes, aber Unauffälliges, etwa im Eigner-Look)?

Und: wie soll ich auftreten:
forsch, bestimmend; die Reaktion provozierend: der weiß was er will!

"Führen und Leiten", nicht zu sehr auf Nebensächlichkeiten eingehen,
leicht dominant, aber keinesfalls arrogant,
oder eher einfühlend, soft, einen Sinn für jede Gefühlslage,
ein wenig Ying, ein wenig Yang; ein Hauch emanzipatorisch,
oder eher cool, betont sachlich: kein x für ein u, fundierte Sachkenntnisse,
allround im kognitiven Bereich, Quellenkenner, wissenschaftsbetont,
offen für Innovationen, zwar nicht unkritisch, aber tolerant?

Und dann die große Frage der Integration:
was wäre wem am Wichtigsten,
wo sind latente Bündniserwartungen - wo (im potentiellen Team) ist

äußerste Vorsicht geboten (Vokabelkontrolle!)?

Wie wird mein Mundgeruch sein,
ist ein Hauch von Parfüm angezeigt (aber welches bloß?),
werden meine Hände trocken bleiben, und: werde ich Blicken standhalten?

Darf ich auch unsicher sein,
soll ich mich eher selbst darstellen oder Interesse zeigen für die Erwartungen?

Der Mensch ist nicht nur die Summe seiner Zeugnisse,
mit denen er sich bewirbt. Es sind bloß objektivierbare Daten,
formale Voraussetzungen, notwendige Inputs,
ohne Fleisch und Gefühl,
ohne Charme und Esprit -
völlig beziehungslos anmutend.

Ich bin auf der Bewerberseite:
fühle einen Hauch von Prostitution,
fühle mich herausgefordert, irgendwie geschickt zu sein.

Auf keinen Fall darf ich mich "blöd" anstellen!

Das ist wenigstens sicher.

 

 

© Dieter Lotz, 1993

 

 
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